Dorit Linke

Jenseits der blauen Grenze
Magellan 2014

Hanna und Andreas wollen weg; weg wie ihr Freund Jens, der bereits ausgereist ist aus der maroden DDR Ende der 1980er-Jahre, einem Staat, der keine Zukunft bietet, dafür aber Willkür, Repressalien und Zensur. Der Plan: Durch die Ostsee über die Grenze nach West-Deutschland schwimmen. Durch eine Schnur aneinander gebunden und mit einer Notration Schokolade machen sie sich auf den Weg. Erzählerin Hanna erinnert sich während der endlosen Stunden im Meer an Episoden aus ihrer Kindheit, an ihre Freundschaft zu Andreas und Jens, an ihren renitenten Opa, der das Regime nie ernstnahm, und an das zunehmende Bewusstsein über die Unfreiheit. Durch die geschickte Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart gewinnt der Roman ebenso erzählerische Dichte wie durch Dorit Linkes Vermögen, die wachsende Erschöpfung und Verzweiflung, die Hanna und Andreas während der Flucht spüren, durch ästhetische Mittel sicht- und spürbar zu machen. (ab 13)  


Fett Kohle
Magellan 2015

Niklas traut seinen Augen nicht: Draußen rasen Polizeiwagen vorbei, Sirenen heulen und dann fliegt aus einem Lieferwagen eine Tasche in das Gebüsch vor seinem Fenster. Niklas ist sich sicher: Da muss irgendetwas Tolles drin sein! Und tatsächlich: In der Tasche ist „fett Kohle“! Niklas nimmt sie mit – und so beginnt eine rasante Verfolgungsjagd, bei der Niklas und sein Freund Felix ziemlich viele Haken schlagen müssen, da nicht wenige Leute scharf auf das Geld sind. Dorit Linkes Kinderkrimi besticht nicht nur durch lebensnahe Dialoge, ein gutes Auge für den Berliner Kiez und viel Sinn für Situationskomik, sondern insbesondere durch seine glaubwürdige Figurenzeichnung: Niklas ist ein widersprüchlicher Held, der nicht immer alles richtig macht, der manchmal wütend und verzweifelt ist, doch der letztlich sein großes Herz am rechten Fleck hat. (ab 8)